Sonnenfinsternis 1999 Bericht
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Hallo Welt!

Auch ich habe am 11. August 99, zusammen mit meiner Frau, die Sonnenfinsternis in Süddeutschland beobachtet. Vom Wickersberg bei Saarbrücken hatte man im entscheidenden Moment freie Sicht auf die Sonne, bzw auf das, was man statt der Sonne am Himmel sah. Ich habe dieses einmalige Erlebnis und die Bilder die dabei entstanden mal zusammengefasst.

(C) Michael Baier, Fuji Sensia II, 100ASA, 580mm


Der 11. August 1999


3:45

der Wecker klingelt gnadenlos.
Es ist noch rabenschwarze Nacht.
Und: Es regnet.

4:55

Alles fertig, angezogen, alle Fotoutensilien und reichlich Futter und Sprudel im Auto verstaut. Wir fahren los.
Nach eingehendem Studium der letzten Wetterkarten und Infos aus dem Internet beschließen wir nach Saarbrücken zu fahren. Karlsruhe scheint zu unsicher zu sein, und der Chiemsee ist zu weit, und außerdem auch nicht hundertprozentig sicher.
Es regnet immer noch.

5:05

Tankstopp an der Raststätte Siegerland der A45. Am Abend vorher vergessen zu tanken. Auffällig: Viele PKWs da, für diese Uhrzeit, meist mit 2 Personen besetzt. Unverkennbar Sonnenfinsternistouristen. Manche mit Schildern hinter den Autoscheiben: "Sonnenfinsternis 99, wir sind dabei".

7:00

Wir fahren an Trier vorbei.
Jetzt haben wir also die Kernschattenzone erreicht. Also verpassen können wir es nicht mehr.
Außer, das Wetter ändert sich nicht. Es hat zwar aufgehört zu regnen, aber der Himmel ist einheitlich grau in grau.

8:00

Saarbrücken.
Hat keine vollständige Stadtautobahn. Also mitten durch. Ich will etwas südlicher fahren, dann komme ich näher an die Center-Line dran, wertvolle Sekunden mehr zum fotografieren. In Saarbrücken stehen auf allen möglichen Parkplätzen schon Leute mit Ferngläsern, Teleskopen, Stativen und Kameras rum, alles schon ausgerichtet auf die Sonne, die sich hier ganz selten durch eine Lücke zeigt. Immerhin ist die Bewölkung jetzt unregelmäßig geworden.

8:15

Wir beschließen, Richtung Metz nach Frankreich zu fahren. Metz liegt näher an der Center-Line, und das Wetter müßte dort nach den Prognosen eigentlich schon besser sein. Beim Auffahren auf die Autobahn der erste SoFi-Stau. Wir sind offensichtlich nicht die einzigen, die das Naturschauspiel erleben wollen.
Kurz vor Metz kehren wir um. Die Landschaft besteht überwiegend aus Wald, deutscher Radioempfang ist auch nicht möglich und es regnet wieder aus einem einheitlichen grauen Himmel.
Wir fahren eine Abfahrt vor Saarbrücken von der Autobahn ab und suchen eine kleine Nebenstraße, die auf einen Berg hochführt. Beim 2. Anlauf finden wir auch eine.
Und diese Straße scheint eine gute Wahl zu sein: In jedem Feldweg steht ein Zelt oder ein Wohnmobil, aus dem mehr oder weniger verschlafene Gestalten fragend gen Himmel blicken: Wird`s denn noch?

9:05

Nachdem wir den Berg von beiden Seiten 2x rauf- und runtergefahren sind, bleiben wir an einem Platz stehen, wo schon 20 andere warten, aber dafür bietet sich hier ein guter Blick in ein Tal, um wenigstens den durchrasenden Schatten mitzubekommen, denn der Himmel ist inzwischen wieder zu einer grauen Suppe zugezogen.

Jetzt werden nach und nach die Vorräte verzehrt, dabei kann man belustigt den Leuten zuschauen, die sich hier nach und nach einfinden, Wohnmobile die einfach nicht in den schmalen Feldweg passen, Kinder denen ihr Nintendo wichtiger ist als der, immer noch verhangene, Himmel und reichlich nervösen Familienvätern, die den Rest ihrer Familie nur unter Ankündigung von etwas einmaligen nach hierhin gelockt haben. Das Publikum hier besteht aus Hamburgern, Berlinern, einige Leute aus der Umgebung von Köln, ein paar Holländer und zwei Dänen.
Im Radio meldet SWR3 kilometerlange Staus auf den Autobahnen Richtung Süden. Diese Autofahrer werden es wohl nicht mehr schaffen.

11:10

Es nieselt. Der Himmel ist ziemlich bedeckt. Keiner sieht also, wie der Mond die Sonne berührt, auch wenn einige verzweifelte Zuschauer mit der Finsternisbrille vor den Augen den Himmel absuchen.

11:25

Die Bewölkung lockert ein ganz klein wenig auf. Ein erster Blick durch die Brille und das Autofenster bestätigt, dass der Mond vor der Sonne hängt. Trotz leichtem Nieselregen also aufstehen, Ausrüstung zusammensuchen und losgehen zur ca 300m entfernten Wiese.

11:30

Nach dem Aufbau und Ausrichten des großen Teleobjektivs zur Sonne beginnt banges Warten: Lichten sich die Wolken weiter, oder wird es komplett zuziehen? Die Wolken am Himmel bewegen sich, je nach Höhe, in zwei verschiedene Richtungen, das macht die Prognose ziemlich schwer, eigentlich unmöglich. Die ersten Bilder werden durch einzelne dünne Schleierwolken gemacht, gelegentlich staunt der eine oder andere Beobachter hörbar über die jetzt deutlich sichtbare Delle in der Sonnenscheibe.


(C) Michael Baier, Fuji Sensia II, 100ASA, 580mm

12:10

Es ist jetzt heiter, die reichlich vom Mond verdeckte Sonnenscheibe läßt sich gut fotografieren und beobachten.


(C) Michael Baier, Fuji Sensia II, 100ASA, 580mm

12:20

Es riesiges blaues Loch in den Wolken hat sich innerhalb von einer Minute komplett mit Dunst gefüllt. Die Sonne, bzw, das was noch übrig ist, ist weg. Weg! Hinter den Wolken.
Enttäuschung macht sich breit.


(C) Michael Baier, Fuji Sensia II, 100ASA, 580mm

12:23

Die Wolken lichten sich, die Sichel kommt wieder zum Vorschein. Die letzten halbvollen Filme werden gewechselt, damit während der totalen Finsternis nicht noch ein Film gewechselt werden muß. Die Wolkenlücke bleibt hartnäckig an der Sonne. Ein Beobachten ist jetzt schon ohne Schutzbrille möglich, die Schleierwolken dämpfen das Licht.


(C) Michael Baier, Fuji Sensia II, 100ASA, 580mm

12:28

Es ist kühler geworden, auch wenn das durch die wechselhafte Wolkendecke nicht so auffällt, im Westen wird es dunkel, etwas dunkler als bei einem Gewitter. Dann geht alles rasend schnell. Das Dunkle aus dem Westen kommt auf uns zu. Innerhalb einer halben Minute verschwindet der Rest der Sonnensichel, es wird fast Nacht, am Himmel sieht man nichts mehr, außer einigen Wolkenfetzen.


(C) Michael Baier, Kodak P1600, 3200ASA, 210mm

12:29

Es donnert. Ein Gewitter. Hervorragend inszeniert. Ein Ohhh und Ahhh macht sich breit. Die Korona ist da. Auch einige Sterne. Kamerawechsel, hochempfindlicher Film. Ich muß mich konzentrieren, um wirklich die Bilder zu machen, und nicht nur mit offenem Mund dazustehen.
Am Boden ist es jetzt überall dunkel. Ich erkenne grade noch das LCD-Display meiner Kamera. Die anderen Leute gucken alle irgendwie glücklich nach oben oder fotografieren und filmen. Und es ist wirklich still geworden. Die Leute murmeln nur noch, die Vögel haben auch aufgehört zu zwitschern, und Autos fahren auch keine mehr.


(C) Michael Baier, Fuji Sensia II, 100ASA, 580mm

(C) Michael Baier, Fuji Sensia II, 100ASA, 580mm

(C) Michael Baier, Fuji Sensia II, 100ASA, 580mm

12:31

Der Diamantring kommt zum Vorschein. Es wird innerhalb von 15 Sekunden wieder Tag, als ob jemand am großen Dimmer dreht. Ich jage die restlichen Aufnahmen durch die Kameras. Die Leute klatschen. Die Welt ist nicht untergegangen.

Warum auch?


(C) Michael Baier, Kodak P1600, 3200ASA, 210mm

12:32

Die Sichel ist wieder da. Nur, steht sie jetzt auf dem Kopf. Es beginnt zu regnen. Eine Minute später ist die Sonnensichel weg, hinter den Wolken. Der Regen wird stärker. Die letzten Erinnerungsbilder werden geschossen, jetzt auch mit Blitz. Sektkorken knallen. Wir bleiben noch 5 Minuten im Regen stehen, dann kapitulieren auch wir und retten die Fotoausrüstung ins Auto.


(C) Michael Baier, Fuji Sensia II, 100ASA, 580mm

Nach einer halben Stunde ist der Himmel dunkelgrau und es regnet immer noch in Strömen. Wir haben unglaubliches Glück gehabt.

13:00

Wir fahren los, aber schon nach 2 Kilometern ist Schluß: Wir stehen im Stau. Und der hört bis Koblenz nicht mehr auf. Alles Sonnenfinsternistouristen. Um 22:00 Uhr sind wir zuhause, für die ersten 60 Kilometer haben wir fast 6 Stunden gebraucht. Bis zuhause 9 Stunden.
Grausam.
Aber es hat sich gelohnt.
Ich würde es sofort wieder machen.

Andere hats schlimmer getroffen. Auf der A5. Die haben in Stuttgart nichts gesehen, außer Regenwolken und mußten dann teilweise bis nachts um 4 Uhr im Stau stehen.

Die nächste Sonnenfinsternis ist in Afrika.
Ob man das irgendwie mit einem Urlaub verbinden kann?
Nur zufällig natürlich...


mb


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